Kürzlich waren wir zu dritt im Hotel du Peyrou essen. Das Essen war ein absolutes Erlebnis. Das Hotel, besser gesagt das Schloss, stammt aus dem 18. Jahrhundert und steht mitten in Neuchâtel, unweit des Sees. Vor den Seeaufschüttungen reichte der Garten vor dem Schloss sogar direkt ans Seeufer. Der kleine Park ist im Stil von Renaissance-Gärten angelegt, d.h. mit geometrischer Unterteilung der Anlage in Teilflächen, die mit niedrigen Buchshecken eingefasst sind und als Ganzes ein Muster ergeben. Hier ist es ein Kreis in der Mitte mit strahlenförmig abgehenden Linien. Der Mittelpunkt bildet ein Wasserbecken mit einer Statue. Die Kreisfläche wird vertikal durch sehr alte, mehrere Meter hohe, kegelförmig zugeschnittene Eiben betont. Trotz der strengen geometrischen Formen sind Elemente von Landschaftsparkanlagen vorhanden. So bildet das dunkle Grün der Eiben einen sehr schönen Kontrast zu den hellgrünen Hecken, den breiten Kieswegen und den Natursteinmauern der äusseren Einfriedung. Auch sind Ansätze des Spiels mit Sichtachsen zu erkennen. Steht man vor dem Mittelfenster des Gebäudes wird der Blick auf die Staue in der Mitte des Wasserbeckens gelenkt, wo er einen Augenblick inne hält, um dann direkt weiter durch die breite Öffnung zwischen zwei Eiben und den breiten Kiesweg zum Gartentor und zum See zu wandern. Wandelt man zwischen den Beeten, öffnen sich immer wieder neue Ansichten auf Teilflächen. Ganz besonders apart ist die Idee, die Beete den Hecken und Einfassungen entlang mit Kräutern und Gemüsen zu bestücken, anstatt wie gewohnt Flor anzupflanzen. So ergibt sich ein wunderbares Spiel von schier unendlich vielen Grüntönen. Und was passt besser zu einem Gourmetlokal als Kräuter und Gemüse im Garten. Aber nun zurück zum Essen. Entzückt durch den schönen Anfang nahmen wir Platz. Für die Handtaschen wurde ein speziell niedriger Sessel herangeschoben. Wir wählten das Fischmenü und erlebten in der Folge ein immer wieder aufs Neue überraschende Gaumenfeuerwerk. Wir alle hatten wohl die einzelnen Bestandteile der aufgetischten Speisen schon einmal gegessen, aber noch nie in den dargereichten Formen, Konsistenzen und Zusammensetzungen. Mit jedem Gang erlebten wir Elemente, die wir vorher so nicht gekannt haben. Unsere Entzückung steigerte sich von Gang zu Gang. Wir konnten kaum glauben, derart positiv überrascht zu werden. Und wir konnten kaum glauben, dass dieses Lokal von Gault-Millau nur mit 14 Punkten bedacht worden ist. Das muss ein Fehler sein. Für uns ist es jedenfalls die angenehmste Entdeckung seit langem. Warum sind wir bloss nicht schon früher hingegangen.
- Hotel du Peyrou, Neuchâtel, Gastgeber: Chefkoch Craig Penlington
www.dupeyrou.ch